Bitte melden Sie sich kurz und kostenlos an, um einen Kommentar zu verfassen.

Die Ausgaben 1995 bis 1999 von Publik-Forum
sind nicht als Online-Texte verfügbar.

Bei weiteren Fragen wenden Sie sich bitte an den
Leserservice.

Bitte haben Sie einen Moment Geduld

Die Suchergebnisse werden geladen


Suchergebnisse werden geladen

logo
16.01.2012Druckversion ohne Bilder

Anteilseigner am Firmenkraftwerk

Wenn Firmeninhaber in Energiespartechnik investieren, macht es dann Sinn, wenn sie den eigenen Mitarbeitern Anteile anbieten? Unsere Leserfrage

Peter K.*: Ich bin leitender Angestellter eines Großunternehmens und unter anderem für das Energiemanagement zuständig. Wir überlegen, einen Mitarbeiterfonds für Projekte der Energieeinsparung zu schaffen mit einer guten Rendite von bis zu sieben Prozent. Darüber würden wir zum Beispiel zwei Blockheizkraftwerke (BHKW) für rund vier Millionen Euro finanzieren. Mitarbeiter könnten daran Anteile etwa für fünf Jahre erwerben, danach würde ihnen das Geld zurückerstattet. Macht das Sinn? Können Sie mir Beispiele aus der Industrie nennen, wo etwas Ähnliches bereits stattfindet?

Markus Dobstadt: »Es macht auf jeden Fall Sinn«, sagt Matthias Eisenhut, Leiter der Beteiligungs AG bei der ökologisch orientierten GLS Bank. Das Geldinstitut geht gerade ein ähnliches Projekt mit einem anderen Konzern an. Die Ausgabe von Anteilen an Mitarbeiter erhöhe deren »Bindung an das Unternehmen«, sagt Eisenhut. Das ist vor allem wichtig, um Kompetenzträger zu halten. Aber auch alle anderen Mitarbeiter, die Anteile erwerben, fühlten sich stärker einbezogen und »zu Hause« im Unternehmen.

»Kampf ums Öl beginnt«

Ein BHKW macht vor allem Sinn für Firmen, die viel Wärme benötigen. Denn solche Kraftwerke verbrennen Gas und erzeugen dadurch Wärme, zusätzlich aber auch Strom, der, sofern er nicht selbst verbraucht wird, in das öffentliche Stromnetz eingespeist und vergütet wird. Der Effizienzgrad solcher BHKW liegt bei über 90 Prozent. Das heißt, dass über 90 Prozent des eingesetzten Gases zur Wärme und Stromerzeugung genutzt werden kann. Der entsprechende Wert von Großkraftwerken liegt deutlich niedriger, da ein Großteil der erzeugten Energie beim Transport verloren geht.

Nicht nur ökologisch, auch ökonomisch rechne sich diese Form der dezentralen Energieerzeugung, sagt Eisenhut. Denn das Kraftwerk habe sich nach einiger Zeit amortisiert, produziere aber weiter Strom und Wärme. Dazu komme, dass die Preise für herkömmliche Energieträger in Zukunft deutlich steigen würden, meint der Leiter der Beteiligungs AG der GLS-Bank. »Der Kampf ums Öl geht los«, glaubt er. Daher sei es »zwingend erforderlich, dass wir uns Gedanken machen, wie wir die bisherige Erzeugung von Wärme, Energie und Mobilität durch neue Modelle ersetzen«. Das müsse »in die Köpfe der Unternehmensführungen« hinein.

»Wer schlau ist, fängt jetzt an«

Bei mittelständischen Unternehmen liege der Anteil der Energiekosten bislang bei drei bis fünf Prozent. Dass er künftig auf »sieben, acht Prozent« steige, sei nicht unrealistisch. In Energiespartechnik zu investieren, lohne sich daher: »Wer schlau ist, fängt jetzt an«, sagt Eisenhut. Denn die Investitionskosten würden eher steigen.

Die ebenfalls ökologisch orientierte Umweltbank hat entsprechende Projekte, wie sie Mario Heusinger plant, noch nicht begleitet. Ob sie realistisch sind, sei erst »bei eingehender Prüfung eines konkreten Projektvorschlags zu beurteilen«, sagt Oliver Brandt, Pressesprecher der Umweltbank. Der Erfolg hänge »stark von der vorhandenen Fachkompetenz im Unternehmen ab«, meint er. Denn ein solches Modell beinhalte »nicht nur Renditechancen, sondern auch unternehmerische Risiken für die beteiligten Mitarbeiter«, erklärt Brandt. Besonders, wenn das Unternehmen die Anlage nicht selbst aufstelle und betreue. Ein solches Projekt sei keine reine Geldanlage, sondern eine Unternehmensbeteiligung: »Läuft die Anlage nicht, aus welchen Gründen auch immer, trägt jeder das Risiko mit.«

Fazit: Was Peter K. plant, ist ein durchaus sinnvolles Projekt, das aber nicht ohne ausführliche Beratung angegangen werden sollte.

*Name ist geändert

Wenn Firmeninhaber in Energiespartechnik investieren, macht es dann Sinn, wenn sie den eigenen Mitarbeitern Anteile anbieten? Unsere Leserfrage

Peter K.*: Ich bin leitender Angestellter eines Großunternehmens und unter anderem für das Energiemanagement zuständig. Wir überlegen, einen Mitarbeiterfonds für Projekte der Energieeinsparung zu schaffen mit einer guten Rendite von bis zu sieben Prozent. Darüber würden wir zum Beispiel zwei Blockheizkraftwerke (BHKW) für rund vier Millionen Euro finanzieren. Mitarbeiter könnten daran Anteile etwa für fünf Jahre erwerben, danach würde ihnen das Geld zurückerstattet. Macht das Sinn? Können Sie mir Beispiele aus der Industrie nennen, wo etwas Ähnliches bereits stattfindet?

Markus Dobstadt: »Es macht auf jeden Fall Sinn«, sagt Matthias Eisenhut, Leiter der Beteiligungs AG bei der ökologisch orientierten GLS Bank. Das Geldinstitut geht gerade ein ähnliches Projekt mit einem anderen Konzern an. Die Ausgabe von Anteilen an Mitarbeiter erhöhe deren »Bindung an das Unternehmen«, sagt Eisenhut. Das ist vor allem wichtig, um Kompetenzträger zu halten. Aber auch alle anderen Mitarbeiter, die Anteile erwerben, fühlten sich stärker einbezogen und »zu Hause« im Unternehmen.

»Kampf ums Öl beginnt«

Ein BHKW macht vor allem Sinn für Firmen, die viel Wärme benötigen. Denn solche Kraftwerke[1] verbrennen Gas und erzeugen dadurch Wärme, zusätzlich aber auch Strom, der, sofern er nicht selbst verbraucht wird, in das öffentliche Stromnetz eingespeist und vergütet wird. Der Effizienzgrad solcher BHKW liegt bei über 90 Prozent. Das heißt, dass über 90 Prozent des eingesetzten Gases zur Wärme und Stromerzeugung genutzt werden kann. Der entsprechende Wert von Großkraftwerken liegt deutlich niedriger, da ein Großteil der erzeugten Energie beim Transport verloren geht.

Nicht nur ökologisch, auch ökonomisch rechne sich diese Form der dezentralen Energieerzeugung, sagt Eisenhut. Denn das Kraftwerk habe sich nach einiger Zeit amortisiert, produziere aber weiter Strom und Wärme. Dazu komme, dass die Preise für herkömmliche Energieträger in Zukunft deutlich steigen würden, meint der Leiter der Beteiligungs AG der GLS-Bank. »Der Kampf ums Öl geht los«, glaubt er. Daher sei es »zwingend erforderlich, dass wir uns Gedanken machen, wie wir die bisherige Erzeugung von Wärme, Energie und Mobilität durch neue Modelle ersetzen«. Das müsse »in die Köpfe der Unternehmensführungen« hinein.

»Wer schlau ist, fängt jetzt an«

Bei mittelständischen Unternehmen liege der Anteil der Energiekosten bislang bei drei bis fünf Prozent. Dass er künftig auf »sieben, acht Prozent« steige, sei nicht unrealistisch. In Energiespartechnik zu investieren, lohne sich daher: »Wer schlau ist, fängt jetzt an«, sagt Eisenhut. Denn die Investitionskosten würden eher steigen.

Die ebenfalls ökologisch orientierte Umweltbank hat entsprechende Projekte, wie sie Mario Heusinger plant, noch nicht begleitet. Ob sie realistisch sind, sei erst »bei eingehender Prüfung eines konkreten Projektvorschlags zu beurteilen«, sagt Oliver Brandt, Pressesprecher der Umweltbank. Der Erfolg hänge »stark von der vorhandenen Fachkompetenz im Unternehmen ab«, meint er. Denn ein solches Modell beinhalte »nicht nur Renditechancen, sondern auch unternehmerische Risiken für die beteiligten Mitarbeiter«, erklärt Brandt. Besonders, wenn das Unternehmen die Anlage nicht selbst aufstelle und betreue. Ein solches Projekt sei keine reine Geldanlage, sondern eine Unternehmensbeteiligung: »Läuft die Anlage nicht, aus welchen Gründen auch immer, trägt jeder das Risiko mit.«

Fazit: Was Peter K. plant, ist ein durchaus sinnvolles Projekt, das aber nicht ohne ausführliche Beratung angegangen werden sollte.

*Name ist geändert

Markus Dobstadt, 46 Jahre, ist freier Journalist und regelmäßiger Mitarbeiter von Publik-Forum.
Haben auch Sie eine Frage zu einem aktuellen Thema? Schicken Sie sie uns. Wenn möglich, beantworten wir sie. Das Ergebnis lesen Sie unter Rat & Tat.

Links in diesem Artikel:
[1] http://blockheizkraftwerk.com/

Artikel-URL: http://video.publik-forum.de/rat-tat/artikel/anteilseigner-am-firmenkraftwerk-online

© Publik-Forum Verlagsgesellschaft mbH 2012
http://www.publik-forum.de/

Alle Rechte vorbehalten.
Nur zur persönlichen Verwendung. Weitergabe und Veröffentlichung nicht erlaubt.

   // Kommentare